Der Kunstguss der Sayner Hütte

Aufgrund des Ausbaus der Festungsanlagen in Koblenz und Ehrenbreitstein entstanden zunächst technische Gussprodukte wie Geschützrohre und vorfabrizierte Bauelemente. Auf Anregung aus Berlin begann die Sayner Hütte 1818 in der „Tiegelhütte“ auch mit der Produktion von Eisenkunstguss.

Typisch für die Qualität von kleinteiligen Guss-Erzeugnissen der Sayner Hütte waren die von 1819 bis 1865 herausgegebenen Neujahrsplaketten, die eine durchschnittliche Größe von 9 x 11 cm hatten. Die Plakette von 1819 zeigt als Beispiele für das damalige Produktionsprogramm der Sayner Hütte Kanonen und Kanonenkugeln, den Lastenaufzug (Schienenweg) vom Rheinufer zur Festung Ehrenbreitstein, eine Glocke sowie aus der Tiegelhütte ein Kruzifix, ein Bildnismedaillon und einen Mörser. Die Plaketten der darauf folgenden Jahre bildeten rheinische und westfälische Kunstdenkmäler ab. Sie wurden jeweils zum Neujahrstag der königlichen Familie und der der Hütte vorgesetzten Behörde als Geschenk in einem Lederetui überreicht. Zusätzlich wurden sie auch verkauft und sind heute beliebte Sammelobjekte.

Als erster Modelleur kam Heinrich Zumpft aus Berlin nach Sayn und blieb dort bis ins Jahr 1835. Er hatte unter Leonhard Posch in Berlin gelernt und leitete zusammen mit dem Zeichner Karl Osterwald die Kunstgussproduktion der Sayner Hütte. Sein berühmtestes Werk war die nach eigenen Vorlagen aus Gusseisen gefertigte 48,3 cm große Nachbildung der um 250 n. Chr. entstandenen 23 m hohen Igeler Säule, des Grabdenkmals für Mitglieder der römischen Tuchhändlerfamilie der Sekundinier in Igel bei Trier.

Der Stolz der Sayner Hüttenleute war die Herstellung einer Stubenfliege in Originalgröße aus einem Gramm Eisen, die sogenannte „Sääner Meck“ (Sayner Mücke bzw. Stubenfliege). Diese und eine Auswahl hochwertiger Kunstgussexponate – vom Eisen-Schmuck bis zu alltäglichen Gebrauchsgegenständen - sind im Rheinischen Eisenkunstgussmuseum der Stadt Bendorf im Schloss Sayn zu besichtigen.

Das Rheinische Eisenkunstguss-Museum unterhält lebendige Fachkontakte zu Museen, Sammlungen und Sammlern in ganz Europa, die immer wieder in Fachkongressen und Sonderausstellungen münden.

Gusserzeugnisse der Sayner Hütte finden sich heute noch z.B. in Koblenz auf der Festung Ehrenbreitstein, im Stadtteil Koblenz-Karthause, in Schloss Stolzenfels und auf dem Koblenzer Hauptfriedhof, in Bad Hönningen auf Schloss Arenfels, auf den Friedhöfen von Bendorf und Sayn. Kürzlich wurde der gusseiserne Kreuzweg im fürstlichen Schlosspark in Sayn restauriert und entlang des Rundwegs neu aufgestellt. Hohe Blumenvasen, wie sie zum Produktionsprogramm der Sayner Hütte gehörten, zieren einen Verkehrskreisel zwischen Bendorf und Sayn und den Platz vor dem Sayner Schloss. Am bekanntesten ist wohl der dreischalige gusseiserne Brunnen, der an der Einmündung der Brexstraße in die Abteistraße in Altsayn steht.